Die Hauptfigur im Märchen hat die Aufgabe,
das Ungleichgewicht
wieder in Ordnung zu bringen.

Marie-Louise von Franz

Mit der Struktur- und Prozessarbeit stellen wir eine Ordnung her, indem wir die inneren Bezüge von Figuren, Gegenständen und Örtlichkeiten eines Märchens sichtbar machen.
Weil der Begriff Struktur bezüglich der Märchen in verschiedenem Sinn angewendet wird, folgen hier einige Gedanken.
Jeder Märchentext hat eine Struktur: Zum Beispiel finden wir am Anfang eines Zaubermärchens meistens eine Mangelsituation, eine Disharmonie. Dieses Ungleichgewicht verändert sich allmählich und die Waagschale der sog. guten Kräfte füllt sich. Diese Wandlung findet immer in der Zauberwelt oder mit einem Zaubergegenstand statt. Am Schluss der Geschichte steht ein glückliches Ende. Alles ist in Ordnung – bis zum nächsten Märchen.
Märchen beinhalten in der Regel mehrere kulturhistorische Elemente: matriarchale, vorchristliche, mittelalterliche und neuzeitliche - in ein und der selben Geschichte.
Es ist auffallend, wie in der systemischen Arbeit meistens die älteren Schichten deutlich sichtbar werden. Denn sie sind den Gesetzen der Natur meistens näher.
Für die systemische Arbeit am interessantesten sind die vorerst unsichtbaren Strukturen. Nämlich das System, in dem sich die Heldin, der Held bewegt. Dazu gehören in dieser Arbeit nicht nur Figuren, sondern auch Gegenstände, Örtlichkeiten und z.B. die Vier Elemente.
In meinen Seminaren arbeite ich vor allem mit zwei Formaten (Methoden) von Strukturaufstellung. Mit „Märchenbilder spielerisch beleben“ (BIB), zum anderen mit „Märchen-Prozessen“ (PROZ). Weil diese Arbeit relativ unbekannt ist, beschreibe ich sie hier etwas ausführlicher.

Märchen-Prozesse
Diese Prozessarbeit (PROZ) hat sich bei mir aus der systemischen und psychodramatischen Arbeit entwickelt. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit stark auf die körperlichen Wahrnehmungen und deren Veränderungen. Während des Prozesses bleiben wir in den Aussagen an der Oberfläche, das heisst bei den körperlichen Phänomenen und der Sinneswahrnehmung. Dabei vermeiden wir die Interpretation.
Bei dieser Gruppenarbeit werden nach der Erzählung die wichtigsten Handlungsträger des Märchens auf der Bühne „gestellt“. Diese Konstellation wird so lange verändert, bis sie „stimmt“.
Durch den Prozess können neben der persönlichen Erfahrung ursprüngliche Schichten des Märchens erkennbar und die tiefen und oft verborgenen Lebensweisheiten erfahrbar werden.
Für die Person, die aufstellt, wird das Geschehen in der Regel immer persönlicher, und die Repräsentanten kommen dabei der archetypischen Dimension der Märchenfigur näher. Es kann aber auch für alle ähnlich oder gerade umgekehrt sein.

Das Flusswasser, das du berührst, ist das letzte von dem, das weggeflossen ist,
und das erste von dem, das heranfliesst. So ist die Gegenwart.“ Leonardo da Vinci

Innere Bilder spielerisch beleben
Bei dieser Arbeitsform (BIB) kommt der Bewegung und dem Wort eine besondere Bedeutung zu.
Die Protagonistin, die ihr Bild aufstellen möchte, schlüpft sozusagen selbst in die Figur (Gegenstand, Stimmung) hinein und macht eine Bewegung. Dazu sagt sie einen Satz, der Bezug nimmt zur Hauptfigur des Märchens und wählt dafür eine Repräsentantin. Zum Schluss wird das vormals innere Bild der Protagonistin mit Hilfe der Repräsentanten auf der äusseren Bühne ganz lebendig.
Bei diesen Angeboten können alle Interessierten teilnehmen, die sich auf eine tiefere Erfahrung einlassen möchten. Es braucht keinerlei Vorkenntnisse, weder für Märchen noch für systemische Arbeit. Das Märchen wird im Seminar frei erzählt.

Für Therapeuten/Therapeutinnen und Erzählende beginnt im Herbst 2013 der 3. Weiterbildungkurs SAMT (Systemische Arbeit mit Märchen & Träumen).

Meine persönliche Weiterbildung in systemischer Arbeit & Strukturaufstellungen:
Während der Supervisionsausbildung lernte ich diese Arbeit kennen und besuche seitdem Fortbildungen bei:
                         Elisabeth Pfäfflin, Psychodrama-CH, Zürich ((www.psychodrama-ch.ch)
                         Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd, München (www.info.syst.de).